Barth - Lexikon

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Studenten aus Barth

Die vermögenden Familien der Stadt Barth mußten bestrebt sein, ihre Söhne zur Vorbereitung auf eine gehobene berufliche Laufbahn auf eine Universität zu schicken. Die Vorbildung der Studenten aus den einzelnen Städten und Dörfern war sehr unterschiedlich. Das Datum der Gründung einer Schule in Barth ist nicht bekannt. In den Urkunden wird eine Schule erstmals 1325 genannt, als Wartislaw IV. von Pommern die fürstlich-rügenschen Privilegien für die Stadt Barth bestätigte, darunter die Aufsicht der Stadt über die städtische Schule.

Um ein einheitliches Bildungsniveau zu erreichen, mussten an allen Universitäten alle neuen Stu-denten zunächst die sog. „Artistenfakultät“ besuchen und dort folgende Fächer belegen: Dialek-tik, Grammatik, Rhetorik, Logik, Arithmetik, Musik und Astronomie – im modernen Sinne eine Art Gymnasialabschluss nach einem internationalen Standard, der an allen Universitäten gleich-ermaßen galt!

Wann und an welchen Universitäten die ersten Barther immatrikuliert wurden, ist bislang nicht bekannt. Auch wenn es keine systematische Durchsicht aller zeitlich infrage kommenden Univer-sitäten gibt, scheint für Barth erwartungsgemäß in der frühesten Zeit die 1419 gegründete Rostocker Universität die bevorzugte Hochschule gewesen sein, dazu ab 1456 die Universität Greifswald. Später kamen Wittenberg, Altdorf u.a. dazu. Für Rostock ermöglicht das Matrikel-portal der Universität Rostock einen raschen Zugang, für Greifswald die gedruckte Matrikel.

In Rostock tauchen bereits ganz kurz nach der Gründung der Universität 1419 die ersten Barther Söhne auf. Der erste war der am 17. Oktober 1422 für das Wintersemester 1422/23 immatriku-lierte Johannes Langsdorff (Langhedorp), der offenbar aus einer nicht sehr vermögenden Barther Familie stammte, da er als Inskriptionsgebühr nur 8 solidi (Schillinge) bezahlte (die anderen frü-hen Barther Studenten zahlten bis zu ½ oder 1 floren (Gulden); einigen wurde die Gebühr als „pauper“, arm, ganz erlassen.

Bis 1500 sind in Rostock folgende Barther als Studenten nachweisbar (die Namen in moderni-sierter, vereinheitlichter Form):

1419–1450
Joh. Langsdorf, Joh. von Barth, Joh. Behr, Radolphus Heine, Joh. Vitus, Laurentius Hundert-mark, Werner Klostermann, Joh. Schmidt, Nik. Müller, Thidericus Lange

1451–1500
Hermann Perleberg, Joh. Eberhard, Paul Wacholdt, Eggardus Mallin, Joh. Schröder, Peter Schin-nebuer, Michel Evers, Joh. Schreiber, Joh. Barold, Nik. Horst, Heinrich von Barth, Heinrich Wer-ner, Nicolaus Müller, Albert Hagemeister, Nik. Schröder, Emeko Wunsseke, Heinr. Krüger, Joh. Rode, Eberhard Schade, Bartold Nussow (Nusowe), Joh. Braunschweig, Heinr. Knese, Erasmus Honeke, Joh. Weverling, Georg Holthusen.

Von den meisten Studenten wissen wir nichts weiter, nichts über ihre Familie oder über ihren späteren Lebensweg. Doch einige treten uns in der Stadtgeschichte entgegen: Hermann Perleberg wird 1466 Kleriker und Notar in Barth; Paul Wachholdt entstammt sicher der Familie von Barther Konsulen und Bürgermeistern seit 1376; Eckhard Mallin (Mallyn), 1487 Proconsul, ab 1512 bis 1516 Konsul der Stadt Barth; Johannes Braunschweig (Brunswick), wird Pastor in Lü-dershagen; Johannes Berckhan (immatrikuliert 1508) ab 1540 Ratmann und Kämmerer in Barth; Christoph und Caspar Wakenitz (1538) sicher aus der bekannten Familie von Wakenitz; Martin Woele (1548/49) 1569–75 Bürgermeister, schon 1520 wurde ein Joachim Woele immatrikuliert; Johannes Kruse (1561/62) wurde 1570 Ratmann; weitere bekannte Familiennamen treten uns entgegen, wie Hagemeister, Soldeke, Nusche, Plumpe, Kümmelberg u. a.

In Greifswald waren ab 1456 folgende Studenten aus Barth eingeschrieben:

Joh. Callas, Hermann Perleberg (vgl. oben zu Rostock), Joh. Devisse (wurde Magister), Hermann Plumpe, Albert Wyttebard, Joh. Mordorp (Kleriker), Joh. Kröger (Kregher), Nik. Blok, Nik. Wendelborn, Ludolph Noske, Heinrich Kruse, Eberhard Schade (Kleriker), Heinrich Knese (wurde Baccalaureus, vgl. Rostock), Joh. Vemerlink.

Viele Barther Studenten absolvierten ihre Studien, um später eine Stellung in einer landesherrli-chen, kirchlichen oder städtischen Verwaltung einnehmen zu können. Welcherart ihre späteren Tätigkeiten waren, bleibt leider in der Regel verborgen, ebenso wer nach dem Besuch der Artis-tenfakultät weitergehende Studien der Theologie, Medizin oder Jurisprudenz betrieb.

Quellen:
Matrikelbücher der Universität Rostock, im Internet unter Matrikelportal der Universität Rostock
Friedländer, Ernst: Ältere Universitäts-Matrikeln. II, Universität Greifswald. Leipzig 1893

 

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