Barth - Lexikon

gesamte Stichwortliste ansehen

Klaus Störtebeker (ca. 1360 - 14.Oktober 1401, Hamburg, hingerichtet)

Störtebeker war das Haupt einer Pirateneinheit, die in der Ost- und der Nordsee operierte.

Der Name Klaus Störtebeker ist weithin bekannt, das faktische Wissen um ihn hält sich jedoch in recht engen Grenzen. Er wurde 1401 in Hamburg hingerichtet, ein später romantisch ausgemaltes Ereignis: 73 Seeräuber sollen die Hamburger gefangen genommen haben. Unser Held war bemüht, sich noch im Tode für seine Getreuen zu verwenden und erwirkte den Gnadenakt, dass diejenigen freigelassen werden, an denen er nach der Hinrichtung - also kopflos - vorüberlaufen konnte. Elf soll er geschafft haben, bis ihm der Scharfrichter, erbost ob solch arbeitsraubendem Tun, den sprichwörtlichen Knüppel zwischen die Beine warf.

Wer war Klaus Störtebeker? Ein brutaler Geselle, der vor Mord und Totschlag nicht zurückschreckte, nur auf die Mehrung des Raubgutes für sich und seine Kumpane in sicheren Verstecken entlang der Ostseeküste bedacht? Oder der Rächer der Armen, der den rechtlosen Menschen auf dem Lande und in den Städten das gab, was er den Ausbeutern und Geizwänsten abgenommen hatte?

Auf jeden Fall war Störtebeker um 1390 der Anführer eines Trupps von Piraten - ihr Schiffshauptmann, vielleicht Kommandant einer kleinen Flottille. Seine Herkunft ist unbekannt. Er dürfte um 1360 in Küstennähe zwischen Greifswald und Lübeck geboren worden sein, stammt möglicherweis aus einer der vielen kleinen, wenig vermögenden Familien der Landadligen, vielleicht als nachgeborener Sohn, der den elterlichen Stammsitz verlassen musste. Sein Name - übersetzt mit „stürz den Becher“ - ist sicherlich nicht der Geburtsname, sondern ein Eigenschaftsname, der auf seinen Träger als besonders trinkfesten Gesellen verweist. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist er der Nikolaus Störtebeker, der 1380 wegen einer Schlägerei aus Wismar ausgewiesen wurde.

Auf irgendwelchen Wegen kam Störtebeker zu den Piraten auf der Ostsee und ergriff damit ein gar nicht so unehrliches Gewerbe. Es war nicht nur ein einträgliches Geschäft, die Handelsschiffe auf der Ostsee und Nordsee zu plündern und die geraubten Waren zu verkaufen. Bei den vielen kleineren und größeren Auseinandersetzungen bedienten sich die streitenden Parteien gern der Piraten als kostenloser militärischer Hilfstruppe. Dafür wurden eigens Kaperbriefe ausgestellt, so um 1390 während der Kämpfe Dänemarks gegen Schweden, in die die Hansestädte eingriffen. Doch nachdem es zum Friedensschluss kam, hatten die Piraten ihre Schuldigkeit getan. Aber die Freibeuter waren auf den Geschmack gekommen und wollten nicht arbeitslos werden. Immer stärker bedrohte die Seeräuberei die Koggen der Hansestädte, die Sicherheit des Handels, den Reichtums der Städte. Sie wurden gejagt, wo immer man sie traf. Zu ihren Fluchtorten sollen eine alte Burg in Saal sowie die Hertesburg bei Prerow gehört haben.

Auf Dauer waren die Piraten nirgendwo sicher. Nicht ewig konnten sie auf ihren Schiffen entkommen und wurden sie gefasst, gab es nur die Todesstrafe. Auch auf Störtebekers Seite war das Glück nicht lange. Im März 1401 wurde er von Hamburger Schiffen bei Helgoland gefangen genommen und am 20. Oktober auf dem Hamburger Grasbrook (heute HafenCity) enthauptet. Im Jahr darauf wurden andere Führer seiner Flottille in Hamburg hingerichtet, unter ihnen Gödeke Michel, der einer Legende zufolge aus Michaelsdorf (Fuhlendorf) stammen soll.

Wer war Klaus Störtebeker wirklich? Die historischen Fakten sprechen dafür, dass er ein kühner Seefahrer war, geschickt in militärischen Operationen, mutig, stark - und außergewöhnlich fest im Stürzen der Becher. Er muss auch ein gnadenloser Kämpfer gewesen sein. Selbst wenn die Raubzüge der Piraten nicht die Tötung der Schiffsbesatzungen zum Ziel hatten, mussten doch auf vielen Hansekoggen die Begleitmannschaft und mancher sich wehrende Kaufmann, der den Sinn eines solchen Besitzwechsels nicht einsehen wollte, mit Waffengewalt vertrieben, sprich - ins Meer geworfen oder sofort getötet werden.

Ob dann Teile der erbeuteten Ladung an die arme Bevölkerung verteilt wurden, bevor sie in sichere Verstecke kamen oder verkauft wurden, lässt sich nicht ausschließen. Doch das Motiv für die Ostseepiraten war solch karitatives Tun sicher nicht. Verständlich waren solche Geschenke aber durchaus, denn Menschen auf der Flucht vor der Obrigkeit benötigen die Unterstützung im Volk - und deren Sympathie hatten Störtebeker, Gödeke Michel und die anderen wohl allemal.

Ein Rächer der Armen, ein Vorkämpfer für soziale Gerechtigkeit war der historische Klaus Störtebeker nicht. Doch es ist kein Wunder, dass sich die Literatur einer solch schillernden Gestalt angenommen hat. Über die Zeiten hinweg wirkt bis heute die „Ballade von Klaus Störtebeker“ von Kurt Barthel (Pseudonym „KuBa“). Auf dieser literarischen Vorlage wurden in Ralswiek seit 1959 die Störtebeker-„Rügen-Festspiele“ veranstaltet. Dieses Historien-Spektakel wurde 1993 auf neuer Textgrundlage wieder aufgenommen.

Literatur
Rolf Hammel-Kiesow, Matthias Puhle: Die Hanse. Darmstadt 2009

Bild: Die Hinrichtung Klaus Störtebekers, Holzschnitt 1701

 

Saal
Saal, Katalog Kirchenbibliothek
Schiffsmodelle
Schill, Ferdinand
Schlechtemühl / Schlichtemühl
Schulsternwarte Barth
Schwedisch-Pommern
Seitner, Andreas
Silberschmiede
Soll / Sölle
Sowjetisches Ehrenmal
Stadtbefestigungsanlagen
Stadtgründung und frühe Stadtgeschichte von Barth
Stadttore
Störtebeker, Klaus
Straminke
Straminke-Durchstich
Studenten aus Barth
Sundische Wiese
Sundischer Berg