Barth - Lexikon

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Hühnergott

Die volkstümliche Bezeichnung für einen natürlich durchlöcherten Feuerstein mit Kreideeinlagerungen.

Ein Hühnergott entsteht, indem durch Verwitterung und Meereswassereinfluss weichere Kreideeinlagerungen aus der harten Feuersteinknolle herausgelöst werden. Sie sind vorrangig an den Steilküsten vorgelagerten Stränden zu finden, wo sie durch Erosion und Küstenabbrüche freigelegt werden. Fundgebiete liegen beispielsweise an den Steilküsten des Fischlands, besser noch an der Nordostküste Rügens.

Die Verwurzelung der Lochsteine im Volksglauben und ihre Verwendung als Talismane ist nicht sicher datierbar. Der Begriff scheint erst im 19. Jahrhundert, vielleicht früher im slawischen Volksglauben aufzutreten. Das Loch im Stein weckte als „unnatürliche“ Erscheinung magische Vorstellungen, wie auch natürlich entstandene Löcher in Baumstämmen (Weiden) oder Gebirgen. Das Aufhängen von Lochsteinen an Ställen sollte den schädlichen Einfluss böser Geister abwenden, die das Geflügel stehlen oder am Eierlegen hindern – daher der Name Hühnergott. Weiterhin wurde ihnen die Abwehr des „bösen Blickes“ beigelegt.

Lochsteine sind auch im angelsächsischen, alemannischen und französischen Kulturraum als Talismane bekannt, auch zum Schutz an Viehställen.

Das Sammeln von Hühnergöttern als Souvenir ist heute eine beliebte Urlauberbetätigung. Einheimische hängen gern eine Hühnergott-Kette mit Exemplaren unterschiedlicher Größe ans Haus. Vielleicht ziehen sie ja die „freundlichen Blicke“ an.

Bild: Hühnergötter

 

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