Barth - Lexikon

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Danckwardt, Joachim Gottfried (8.6.1759 Barth – 9.1.1834 Franzburg)

Danckwardt war Pastor in Bodstedt und Prerow, rettete 1807 unter Einsatz des eigenen Lebens Einwohner Bodstedts vor dem Erschießen durch französische Truppen und das Dorf vor der Zerstörung.

Joachim Gottfried Danckwardt stammt aus einer alten Barther Familie. Sein Vater, Joachim Heinrich, war hier als Arzt tätig, 1731 in Barth geboren. Seine Mutter, Catharina Eleonora Rütze, stammte aus einer weitverzweigten Familie, aus der unter anderem zwei Pastoren in Lüdershagen sowie mehrere Bürgermeister und Senatoren der Stadt Barth hervorgingen.

Die Familie Danckwardt, auch Danckwerth, war schon lange in Barth ansässig. Nachweisbar ist bereits 1535 ein Stadtsekretär Andreas Danckwert, der wohl auch der erste Organist der Marienkirche nach der Reformation war und 1560 Konsul wurde. Um 1600 lebte hier ein Hans Danckwerdt. Neben einem „Chirurgus“ finden wir in unserer Stadt mehrere Danckwardts als Schuster, darunter als Altermann der Schumacher. Ostern 1566 wurde an der Rostocker Universität ein Daniel Dankwert aus Barth immatrikuliert, dessen familiäre Einbindung in die Danckwardts derzeit unbekannt ist.

Joachim Gottfried Danckwardt wurde am 28. April 1777 an der Greifswalder Universität immatrikuliert. Nach den unten angeführten Daten Ernst Moritz Arndts ging er für drei Jahre als Hauslehrer in die Familie Arndt nach Grabitz bei Rambin auf Rügen, wo Arndts Vater, Ludwig Arndt, herrschaftlicher Pächter war. Dort war es seine Aufgabe, den jungen Ernst Moritz Arndt auf den Besuch des Stralsunder Gymnasiums (Ernst-Moritz-Arndt-Schule in der Mönchstraße, heute Teil des „Stralsund Museums“) vorzubereiten. Arndt ging im Februar nach Stralsund, Danckwardt wurde 1788 Pastor in Bodstedt (Kirche Bodstedt), nachdem sein Vorgänger Andreas Johann Möller (1747–1849) nach Flemendorf versetzt worden war. Er heiratete am 30. November 1788 in Lüdershagen die Tochter seines Amtsvorgängers, Helene Möller (geb. 8.9.1770). Im Jahre 1813 wechselte er nach Prerow, zunächst als 2. Pastor, zum 1. Januar 1814 als Pastor.

Danckwardt starb am 9. Januar 1834 in Franzburg, am selben Tag wie seine Ehefrau.

Ernst Moritz Arndt gibt eine detaillierte, von Verbundenheit und Dankbarkeit für seinen ehemaligen Lehrer zeugende Schilderung:

„Dieser Herr Danckwardt war der Sohn eines Arztes aus der Stadt Barth in Pommern, damals etwa ein Fünfundzwanzigjähriger, ein kleiner, blonder, fröhlicher und beweglicher Mann, in seinem innersten Wesen voll Freundlichkeit und Frömmigkeit, obgleich von dem Geniewesen der Sturm- und Drang-Periode, welche in jenen Tagen von 1770 bis 1785 herrschte, stark angeweht und durchgeweht. Dies gab ihm manche Wunderlichkeiten und Schnurrigkeiten, welche wir Jungen wenig gewahrten, woran sich aber Mutter und Tante anfangs oft sehr stießen. Der Vater aber, der einen tiefen Sinn für alles Rechtschaffene hatte, nahm sich des Herrn Danckwardt treulich an, und stellte ihn bald im Hause in das rechte Verhältniß. Dieser gute und liebe Mann ist drei Jahre unter uns geblieben und hat sein Leben und Wissen in Liebe und Treue mit uns getheilt.“

Für die Geschichte des Dorfes Bodstedt wurde eine Tat Danckwardts von Bedeutung, die vom großen Mut und von Verantwortung des Pastors gegenüber seiner Gemeinde zeugt – und die Arndt so berichtet:

„Als im Winter 1807 der französische General Mortier Stralsund berannt hatte, waren rings in die Dörfer an den pommerschen Küsten französische Wachtposten gelegt; so auch in dem Kirchdorfe Bodenstede unweit Barth dem Dars gegenüber. Diese hatten angefangen nach wälscher Weise mit den Weibern und Töchtern Überspiel zu versuchen. Das konnten diese Dörfler nicht leiden, Männer an die mächtigen Gefahren und gelegentlich auch an Pulver und Blei gewöhnt. Sie scharten sich im gerechten Zorn, die Franzosen erschraken vor ihrer Zahl und Rüstigkeit, wurden entwaffnet, gebunden, eingeschifft, und etwa fünfzig Mann stark nach Stralsund an die Schweden als Gefangene abgeliefert. Das war eine kurze Freude. Die That erscholl in dem französischen Lager und ein Kommando von mehreren hundert Mann ward abgesandt, das Dorf zu bestrafen. Der Schulze und mehrere Älteste von Bodenstede wurden gefesselt und sollten erschossen, das Dorf sollte geplündert, angezündet und abgebrannt werden. In dieser großen Noth, als die Gefesselten den sicheren Tod erwarteten, trat der kleine Herr Pastor [Danckwardt] vor und redete den wälschen Befehler mit den kühnen Worten an: ‚Mein Herr, Sie haben die Unschuldigen gegriffen, ich bitte, lassen Sie diese Männer los, die sind die Unschuldigen und Verführten; hier haben Sie den Verbrecher, mich nehmen Sie, mich erschießen Sie, wenn Gott es Ihnen erlaubt, mein Haus verwüsten und verbrennen Sie, ich bin der Verführer, der einzig Schuldige. Ich habe diesen armen Bauern gepredigt, daß sie bis auf den letzten Mann für ihren König stehen und den Feinden des Vaterlandes Abbruch thun müßten.‘ Diese Worte, aus kühnem und tapferm Herzen gesprochen, rührten den Wälschen; er ließ die Gefangenen losbinden, legte ihnen eine leidliche Geldstrafe für seine Truppen auf, und ließ zum Zeichen, daß er die befohlne Abbrennung des Dorfs ausgeführt habe, einige elende leere Hütten außerhalb des Dorfs, wo die Fischer ihre Heringe zu räuchern pflegten, niederbrennen.“

Diese Geschichte wird Arndt von seinem alten Lehrer, den er später mehrfach besuchte, erfahren haben. So schrieb er, dass ich „im Winter 1817 meinen alten Meister zu Prerow auf dem Dars“ besuchte und beim Schulzen „in Bodenstede, in dessen Hause [habe] ich mit dem Herrn Pastor mehrmals zu Tisch gesessen“.

Heute trägt eine Straße in Bodstedt, unweit der Kirche, den Namen Danckwardts, das alte Pfarrhaus ist erhalten.

 

Literatur:

Arndt, Ernst Moritz: Erinnerungen aus dem äußeren Leben. Leipzig 1840 (2. Aufl.)

Biederstedt, Diedrich Hermann: Beyträge zur Geschichte der Kirchen und Prediger in Neuvorpommern, Erster Theil. Greifswald 1818

Mählmann, Stephanie Patrizia; Mohr, Klaus: Ein Held aus Bodstedt. Pastor Danckwardt rettet ein Dorf. In: LandeBarth, Band 7. Rostock 2015, S. 19–25

Der Stammbaum der Familie Mohr, aufgestellt von Emil Holst, neu bearbeitet und ergänzt von Jürgen Hamel, 2015 (Stadtarchiv Barth)

 

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